Mittwoch, 13. August 2014

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Wer von Kanada aus einen Neuenglandtrip machen möchte, kommt nicht umhin, in die USA einzureisen. Nicht immer eine gechillte Angelegenheit, wie sich auch bei uns wieder einmal zeigt...

Wir befinden uns auf dem über siebenstündigen Weg von Toronto nach Vermont. Unser Auto ist voller Campingequipment, unserem Gepäck und jeder Menge guter Laune (ich liebe es, wenn man im Nachhinein immer alles schönmalen kann). Nachdem wir den Bärenanteil der Strecke hinter uns gebracht haben, erreichen wir die kanadisch-amerikanische Grenze. Wir reihen uns mit unserem treuen Gefährt in die Schlange ein und schwuppdiwupp schaut schon der Drogenhund bei uns vorbei, will dann aber doch gar nichts weiter von uns wissen. Auto für Auto schieben wir uns weiter vorwärts, bis wir endlich zum Häuschen von Grenzbeamten 1 vorfahren dürfen. Wir geben unsere Pässe ab und werden erst einmal mit Fragen bombardiert: "Where do you live? Where are you going? Have you applied for an ESTA recently? How long are you going to stay? Is this a rental car?" Also, spätestens nach der letzten Frage hätte ich am liebsten laut los gelacht, denn unsere Schüssel ist wirklich alles andere als ein Mietwagen. Dennoch beantworten wir die Fragen nach bestem Wissen und Gewissen und werden umgehend aufgefordert zur Secondary Inspection vorzufahren. Die Pässe werden natürlich erstmal einbehalten. Wir tuckern also zum Grenzbeamten 2, der uns auffordert, das Fahrzeug zu verlassen, genug Geld mitzunehmen und ihm den Autoschlüssel auszuhändigen. SKANDAL! Blanke Empörung bei Frau T. - die klauen uns alles raus oder durchsuchen unser Auto und bringen alles durcheinander! Hilft ja alles nix. Wir trollen uns in das benachbarte Gebäude, nehmen Platz und warten ungeduldig darauf, dass wir aufgerufen werden. Frau T. versüßt ihrem Gatten die Wartezeit, indem sie ihm Horrorszenarien ausmalt, was in der Zwischenzeit alles mit dem geliebten Automobil (und vor allem dessen Inhalt) passieren könnte. Alle Befürchtungen und Vermutungen prallen an Mr. T. jedoch ab. Auch wenn bei der Grenzstation selbstverständlich alles hoch offiziell abläuft, werden wir lediglich mit Vornamen aufgerufen. Aus unerklärlichen Gründen liegen unsere Pässe nun bei der lockeren und freundlichen Grenzbeamtin 3. Allerdings sieht Sergeant/Officer/Whatever Schad nicht so aus, als würde sie übermäßigen Spaß verstehen. Wir bekommen die grünen Einreiseformulare (auf französisch!) ausgehändigt und sie erfragt unsere Zieladresse. Vor lauter Aufregung und Respekt vor der "Authority" verwechsle ich mal wieder Road mit Avenue und befürchte noch in dieser Minute, in der ich den Post schreibe, dass mich CSI, NSA, FBI und einfach alle gerade suchen, um mich dingfest zu machen. Mr. T. bekommt von all dem Kuddelmuddel nichts mit, er versucht sich hingegen durch das franzsösischsprachige Formular zu kämpfen, bis er kapituliert und schüchtern nach einem englischen Formular fragt, das ihm wortarm, dennoch umgehend, ausgehändigt wird. Streng werden wir darauf hingewiesen, dass wir JEDES Feld ausfüllen sollen und trauen uns kaum, zu erwähnen, dass sie unsere Pässe hat und wir deswegen die Passdaten nicht eintragen können. Vier Fingerabdrücke und ein Augenfoto pro Person später werden wir grimmig nuschelnd dazu aufgefordert, an die Kasse zu kommen. Dort dürfen wir für diesen absolutely outstanding service dann auch noch 6 USD pro Person berappen. Nachdem dies geschehen ist, bekommen wir unsere Pässe wieder ausgehändigt und dürfen bei Grenzbeamten 2 auch wieder unseren Autoschlüssel abholen. Durchsucht wird unser Auto glücklicherweise nicht. Nicht, dass wir etwas zu befürchten oder verheimlichen hätten, aber es hat doch so viel Arbeit, Schweiß und Diskussionen gekostet, das gute Stück am Morgen zu füllen. "That was quick", sagt Grenzbeamter 2 noch. Ich überlege mir bereits die passende (und angesäuerte) Antwort, während mich Mr. T. bereits zurück zum Auto schiebt. Erleichtert und beschwingt hüpfen wir ins Auto, verlassen die Grenzstation und fahren auf den Highway.





Welcome to America, kann ich da nur sagen!

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