Freitag, 23. Januar 2015

Wintermärchen - Teil 1: Jasper National Park




Mr. T. will Schnee! Richtigen Schnee! Nicht nur die obligatorischen 3 Flocken, bei denen jeder in Panik verfällt und der Straßenverkehr rund um Frankfurt zum Erliegen kommt. Somit ist ein Winter-Roadtrip in die Rockies Pflicht für die emsigen wenig work, VIEL TRAVELler. Von Tofino aus begeben wir uns mehr oder weniger schnurstracks und inklusive einer Fährfahrt (dieses Mal ohne feindliche Übergriffe) nach Jasper, mit einer unspektakulären Zwischenübernachtung in Kamloops. In Jasper haben wir ein Zimmer in einem B&B, nur ohne B - also ohne Frühstück. Dafür hat unser Zimmer eine Kitchenette ohne Kitchen - ein Leben voller Einschränkungen. Aber Familie T. weiß schon, wie sie zu leckerem Essen kommt. Dann wird halt kurzerhand das Raclettegerät verwendet. Wir können nun aus Erfahrung sagen, dass man damit nicht nur Raclette machen kann, sondern sich auf der Grillplatte vorzüglich Rührei mit Speck, Würstchen oder Burger Patties grillen/zubereiten lassen. Was wären wir nur ohne unsere Allzweckwaffe, das Raclettegerät? Womöglich 2 Kilönchen leichter!?
Die Unterkunft hat eine Toplage, mitten in downtown Jasper, und das ist echt schwer, denn die Innenstadt besteht aus ganzen zwei Straßen. Es gibt hier aber alles, was man braucht, es ist gemütlich und wir mögen es hier einfach nur. Wie schon im September berichtet, ist es hier wilder und viiiel ruhiger als im Banff Nationalpark und das ist genau unser Ding. 
Unsere Zeit in Jasper hält ein Potpourri an Aktivitäten bereit. Besonderes Highlight ist natürlich Mr. T.'s Geburtstag, der standesgemäß in der Fairmont Jasper Park Lodge bei einem delikaten Käsefondue gefeiert wird. Um dies abzutrainieren, wird Frau T.'s Kindheitstraum erfüllt: einmal auf einem zugefroreren See Schlittschuh laufen. Herrlich, wie wir katiwittesk über das Eis gleiten, eine Pirouette hier, ein dreifacher Rittberger da, Paarlauf, Kür, alles, nur keine Plicht. Nichts und niemand kann uns stoppen, wäre das Eis nur nicht so glatt. Spaß macht es alle mal und einmal Blut geleckt, möchten wir gar nicht aufhören und betreiben Lake-Hopping, in dem wir noch eine andere Location auschecken. In Jasper gibt es zwei Seen, die zum Skaten freigegeben werden. Zum einen ist das der Lake Mildred am Fairmont Hotel, auf dem man wirklich lange Bahnen ziehen kann (leider enttäuscht die Gastronomie, die nur am Wochenende geöffnet ist, wir hatten uns so auf eine gediegene Hot Chocolate gefreut), zum anderen kann man dem Schlittschuhvergnügen auf dem Pyramid Lake, etwas außerhalb der Stadt, frönen. Hier ist das Eis noch sehr, nun ja, um es in Reisekatalogsprache zu sagen, naturbelassen, aber wir sind ja mittlerweile Cracks, kein Ding!

Nur in Kanada: geht man mit dem Kinderwagen auf dem Eis spazieren

Wo wir gerade beim Thema Eis sind - wer sich im Winter im Jasper National Park aufhält, MUSS an einem Ice Canyon Walk teilnehmen. Vor den Toren der Stadt Jasper befindet sich der Maligne Canyon, der im Winter zufriert und den man dann teilweise begehen kann. Empfehlenswert ist es, dies mit einem erfahrenen Guide zu machen, denn es drohen Abrutschen und Einbrechen. Ausgestattet mit Boots und Cleats (=Stollen) führt uns der kanadische Urgestein-Guide Joe, gemeinsam mit einem Ehepaar aus Australien,  aufs Glatteis. Wir erfahren allerhand Wissenswertes über die Entstehung des Canyons und der unterschiedlichen Eisschichten und haben sogar die Möglichkeit, hinter einem zugefrorenen Wasserfall entlang zu laufen und in Eishöhlen zu schauen. Die Actionkomponente wird dadurch unterstrichen, dass Joe an manchen Stellen zur Vorsicht rät und wir nur im Gänsemarsch und jeweiligem Abstand von 10 Metern hinter ihm herlaufen dürfen. Dann und wann stochert er mit seinem Eispickel im Eis herum und zeigt uns Stellen, die wohl demnächst einstürzen werden. Um uns dies zu demonstrieren, trampelt er ordentlich auf der dünnen Eisschicht herum und auf einmal macht es ein lautes Geräusch und er sackt eine Etage nach unten, auf die nächste Eisschicht. Herz, schlag weiter. Frau T. sah es förmlich vor sich, wie er im Eiswasser landet und unter dem Eis weggezogen wird. Es ist aber noch mal alles gut gegangen und nach einem anfänglichen Schock von circa einer halben Sekunde, bricht Joe in Lachen aus und beteuert, wie "awesome" und "cool" das war. Mr. T. ist natürlich begeistert und Frau T. sieht ihm förmlich an, wie er sich wünscht, ihm wäre das passiert. Sicherheitshalber zieht sie ihn am Ärmel vom Abgrund weg. Unser Guide klettert aus dem Eis und glücklich, erleichtert, und mit rosa Bäckchen treten wir unseren Rückweg nach Jasper an.

Maligne Canyon

So siehts also unter dem Eis aus

Maligne Canyon

Maligne Canyon

Maligne Canyon

Doch steht bei uns nicht nur die Action auf dem Programm, auch für ausgiebiges Wildlife-Sichten bleibt Raum und Zeit, man kommt in Jasper auch gar nicht drum herum, teilweise sehr zum Leidwesen von Frau T. Bereits am ersten Tag begeben wir uns auf einen Spaziergang von unserem "B&B ohne B, aber mit K ohne K" zum Lac Beauvert und treffen nach wenigen Minuten miten am Bahnhof auf eine stattliche Elkfamilie (zu Deutsch: Wapitis).


Mindestens 30 dieser hübschen Tiere spazieren seelenruhig an uns vorbei und auch die Stimmung im Hause T. ist noch locker. Mr. T. darf sogar vor den wilden Tieren posieren. Weiter geht der Spaziergang. Auf der Brücke zum Old Fort Point dann das nächste Hindernis: Bighorn Sheeps (Dickhornschafe). Zwei davon auch wirklich mit ordentlichen Oschis auf dem Kopf, mit denen muss ich nicht unbedingt kuscheln. Ein uns entgegen kommender Radfahrer warnt uns noch vor den "big guys", aber das kann doch einen Mr. T. nicht abschrecken! Frau T. ist jetzt bereit, zur Unterkunft zurückzulaufen, aber da hat sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht.


Langsam wird an den, trotzdem ja sehr hübschen, Tieren vorbeigeschlichen, uff, durchschnaufen, alles geschafft. Doch wo ist Mr. T.? Panisch blickt sich Frau T. um...doch Mr. T. steht seelenruhig da und fotografiert ein bisschen mit seinem Handy. Auf das freundliche Zischen seiner Frau wird einfach nicht reagiert. Soll er doch machen, was er will. Trotzig läuft Frau T. schon mal weiter, muss jedoch feststellen, dass hier überall Cougar(Puma)-Warnungen aufgestellt sind. Auch das noch. Da denkt man, die Bären schlummern tief und fest und die größte Gefahr sei gebannt und dann sowas. Mittlerweile hat es Mr. T. auch geschafft, sich von den possierlichen Tierchen zu trennen und mild diskutierend laufen wir in den Wald. Schön, der weiße Schnee überall und diese Ruhe und weit und breit kein.... Halt! Was liegt denn da vorne? Braun mit Buckel? Sind die Grizzlies etwa doch wach? Nein, es sind die Familienoberhäupter der zuvor gesichteten Wapitifamilie mit crazy Geweihen auf dem Kopf, die mopsen sich ein bisschen im Schnee. Frau T. ist fasziniert und verängstigt zur gleichen Zeit. Mr. T., der unerschrockene Held, prescht natürlich wieder nach vorne, er kann gar nicht nah genug an die Viecher rankommen. Hach, immer wieder schön.


Frau T. schafft es, ihn einzufangen und mittlerweile wild diskutierend stapfen wir weiter durch den Wald. Die Diskussion wird erst beendet, als Mr. T. am Lac Beauvert einen Rieseneiszapfen findet und diesen ab sofort als Laserschwert und Wanderstock benutzen darf. Wie schön doch so ein Urlaub mit Kindern sein kann. Die kurz darauf erblickten Maultierhirsche können dann selbst Frau T. weder schocken noch beunruhigen und friedlich vereint treten wir den Rückmarsch zu unserer Unterkunft und unserem Raclettegerät an.


Zwei Tage später entdecken wir dann aus dem Auto heraus noch einen Kojoten. Zumindest gehen wir davon aus, dass es nur einer ist. Frau T. versucht aus dem fahrenden Auto heraus, einen Schnappschuss zu erzielen. Einmal klappt es ganz passabel, beim zweiten Mal erwischt sie nur noch einen Teil von dem Tierchen und will das Foto schon postwendend löschen, als ihr Blick auf ein kleines Detail im Hintergrund fällt. Ein Zeitgenosse unserer flüchtigen Standstreifenbekanntschaft. Voll das Photobombing.



Abgerundet wird unsere erlebnisreiche Zeit im Jasper Nationalpark mit einem Spaziergang durch kniehohen Schnee am Maligne Lake (dafür wurden also Schneeschuhe erfunden!) sowie mit einer kleinen Wanderung über Schnee, Stock und Stein durch das Valley of the Five Lakes. Ein wunderschöner kleiner Weg, der an 5 verwunschenen Seen vorbeiführt, und den wir komplett für uns hatten. Naja, fast, denn wie sollte es anders sein...Wildlife! Ein paar scheue Deers hören uns schon von weitem und flüchten über den zugefrorenen und mit Schnee bedeckten See vor uns.

Maligne Lake

Valley of the Five Lakes

Valley of the Five Lakes

Schauen wir mal, welche Abenteuer unser zweiter Wintermärchen-Stopp für uns bereit hält. Dazu bald mehr an dieser Stelle.

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